Entscheidung über die Einrichtung einer erweiterten Primusschule in Siegen (mit dem Arbeitstitel Unischule)

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,


auf der Grundlage sich weiter reduzierender Schülerzahlen in allen Schulformen werden die hieraus resultierenden Entscheidungserfordernisse einen, wenn nicht den kommunalpolitischen Schwerpunkt der kommenden Monate darstellen.

Dass diese Entscheidungen nicht einfach werden und nur mit großem Bedacht sowie auf der Basis umfangreicher Kenntnisse erfolgen können und sollen, ist sicherlich fraktionsübergreifend konsensfähig. 
Das anstehende Votum über ein Pro oder Contra zur Einrichtung einer Unischule in Siegen ist zwingend in diese Abwägungsprozesse einzubeziehen. 
Hierbei gilt es, den Schulfrieden in dieser Stadt insgesamt nicht zu gefährden. Der damalige Protest bei der Einrichtung der Gesamtschule in Siegen sowie bei der Frage des Erhalts des Löhrtor-Gymnasiums, welches, entgegen aller Prognosen, steigende Anmeldezahlen vorweisen kann, haben den Stellenwert eines sensiblen Umgangs mit diesen Themenbereichen überdeutlich gemacht. Die in den letzten Monaten geführte öffentliche Diskussion tritt nunmehr nach Vorstellung des pädagogischen Konzepts mit der Behandlung im Rahmen einer Sondersitzung des Schulausschusses am 15. April in die sog. „Heiße Phase“. Danach sollen verwaltungsseitig für die Sitzung des Rates am 22.05. Vorschläge für mögliche Standorte dieser Schule, die mit mindestens je 75 Schüler/innen im Bereich der Eingangsklassen der Grundschulen sowie der weiterführenden Schulen ab Klasse 5 an den Start gehen sollen, unterbreitet werden. Der Rat und seine Gremien müssen dann, in Anbetracht der durch das Land NRW vorgegeben Bewerbungsfrist, spätestens in seiner Sitzung am 10.07.2013 einen Beschluss über die Einrichtung der Schule, sowie, unterstellt es gäbe einen positiven Beschluss, eine Entscheidung über den endgültigen Standort treffen.

In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Siegener Gymnasien in den letzten Jahren durch unterschiedliche Konzepte (sei es das Angebot G8/G9, sei es der auf der Verlängerung der Schulstunden auf 60 Minuten ermöglichte Vormittagsbetrieb, das Angebot eines ganztägigen Schulbetriebes oder der Bildung pädagogischer Schwerpunkte usw.) mit ihren jeweiligen Angeboten qualifiziert haben, wählen Eltern und Schüler/innen „ihr Gymnasium“ verstärkt nach diesen –unterschiedlichen- Kriterien aus. Da mindestens ein Gymnasium von der Einrichtung einer Unischule betroffen wäre, dürfte die Zeit bis zur endgültigen Beschlussfassung für unsere gymnasiale Schullandschaft nicht gerade friedlich verlaufen.

Gleiches gilt für den Bereich der Grundschulen, deren Anmeldezahlen vor dem Hintergrund nicht vorhandener Schuleinzugsbezirke sowie einer gravierend rückläufigen Schülerzahlentwicklung oftmals nur noch 1-zügig betrieben werden, bzw. bei weiter sinkendenden Zahlen ihre 2-zügikeit verlieren können. Da die Betroffenheit des Grundschulbereichs stark abhängig von der Örtlichkeit der Errichtung einer Unischule sein dürfte, wird bis zu einer endgültigen Entscheidung des Rates auch dieser Bereich „stark verunsichert“ in die nächsten Monate gehen.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, wir sind in Sorge um den Schulfrieden in Siegen!
Daher bitten wir Sie, das Thema Unischule zum Thema einer möglichst kurzfristig nach der Schulausschusssitzung anzuberaumenden Sondersitzung des Rates zu machen.
Wir denken, die Bürger dieser Stadt haben es verdient, dass sich auch der Rat in Anbetracht der Tragweite der erforderlichen schulpolitischen Weichenstellungen für die zukünftige Schulentwicklungsplanung bereits im jetzigen Erkenntnisstand grundsätzlich mit diesem Thema auseinander setzen sollte.